Auferstehung in Basel April 2010

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Die Schweiz ist wie diese Typen aus der Schule, die immer besser als Du sind, Dich das aber nicht spüren lassen und doch wissen es alle. Du kannst also nur schweigend hingehen, dem Typen eine knallen und dann tiefbefriedigt wieder abziehen. Aber selbst das ist schwierig mit den Schweizern, hochgerüstet, die Gefahr witternd, sammeln sie weiter Geld und sind im großen und ganzen wirklich nette Menschen.

Amerikaner und Blondwölfin ins Auto gesetzt und ab nach Basel. Doch weiter als man denkt, aber gen Abend Ziel erreicht. Städte in Dunkelheit kennenlernen ist immer schwierig für die Seele, Schweizer Städte in Dunkelheit nur noch mit tiefem Glauben an die Auferstehung packbar, weil sonst umgehend tiefe Depression, die grenzenlos in die Himmelfahrt mündet. Aber es ist Ostern und alles gut. Du siehst niemanden auf der Straße, aber natürlich beobachten Dich die Schweizer mit geladener Waffe aus den Fenstern und Du bist sogleich ein besserer Mensch. Und nur weil jemand paranoid ist, heißt das noch lange nicht, dass er nicht verfolgt wird. Du denkst nicht einmal daran falsch zu parken, schneller als 40km/h zu fahren, Du sprichst sogar leiser.

Also schnell ins Parkhaus, das praktischerweise gleich neben dem Milonga-Headquarters liegt, rein in die Tangowäsche und ins Gewühl. Du kannst an der Kassa wahlweise in Goldbarren oder Diamanten bezahlen, wir probierten die Blondwölfin als Gegenleistung, was niemand lustig fand. Also Amerikaner schon, sehr höfliches Volk, wenn nicht gerade auf Weltrettung, und ich fands auch lustig, wär auch unhöflich über die eigenen sexistischen Sprüche nicht zu lachen.

Entrée wie eine große Fabrik, Du überquerst einen Hof, kommst in die erste Vorkammer des Tangos, wo ca. 1000 Paar Schuhe auf Spender warteten, dann an Türstehern vorbei, die direkt vom Secret Service rekrutiert wurden und rein in den Saal. Erster Eindruck wie Stadteinfahrt Basel, Fluchtreflexe auslösend, zu dunkel, aber da Tiefgarage erst wieder ab 7Uhr geöffnet, wussten wir, dass wir die nächsten 7 Stunden hier verbringen würden. 4 Österreicher auf der pista erkannt, Small-Talk, Amerikaner und Blondwölfin ins Separée mit Champagner zurückgezogen, ich fremdelnd in Beobachterposition. Bekannte Schöne aus Zürich entdeckt und das machte vieles wieder gut, also die Dunkelheit, die Fremde, die Gut-Aufgelegten, die sich alle kannten und überhaupt der ganze Kosmos Schweiz. Weil wenn Du müde und nicht allzu gut drauf bist, dann musst Du nach Rio oder Ibiza, die Schweiz ganz falsch. Wie auch immer, die Schöne linderte die schlimmsten Qualen, und weil das Leben gut ist, schickte es gleich noch eine Tänzerin, die schon den gedachten Cabezeo richtig interpretierte und tanzen konnte sie auch noch.

Das können einige in Basel und v.a. sind sie viele, was u.a. das Verdienst der Tangoschule Basel ist, die 1989 (oder so) von Romeo Orsini und Cécile Sidler ins Leben gerufen wurde. Basel hat 170.000 Einwohner, Großraum Basel im 3-Ländereck um die 800.000 Menschen. Trotzdem Großraum noch immer die Hälfte von Wien… Musik am Samstag von einem sehr lustigen Argentinier namens Oscar Moyano zusammen gestellt, der immer mittanzte und mitsang. Musik traditionell. Auffordern nicht schwer, die Schweizer sind nette Leute.

Um vier Uhr morgens Übersiedlung in den ersten Stock, wo die After Hour Milonga stattfand. Cooler TJ namens Florin Bibliie aus Rumänien, der in Paris lebt, und meines Hörens nach keinen einzigen Tango spielte, der nach 1940 eingespielt wurde. Endlich auch Kaffee verfügbar, aber der hatte nur die Wirkung, das mein Dösen etwas aufgeweckter stattfand. Bemühte Gegenüber im smalltalk, die aber an meinen in der Mitte beendeten Sätzen scheiterten.

8 bis 12 im Auto verbracht, Wahl zwischen Schweiz, Deutschland und Frankreich fiel überraschenderweise auf das Elsass und dort ein nettes kleines Hotel genommen, um weiter zu schlafen. Abends wieder ins Tango-Headquarters, Sicherheitskontrollen überstanden, die tristen Lichtverhältnisse akzeptiert und eine sehr schöne Ostersonntagsmilonga mit Livemusik von Orquesta Tipica Silencio gehabt, Vorstellungen aller beim Festival eingeladenen Maestros genossen und anschließend auch tanzenderweise die After Hour Milonga bis 6Uhr überstanden.

Montag abend zurück in Wien. Eigene Practica am Mittwoch macht immer mehr Spaß, jedoch unterschätzt, dass Boleos doch etwas mehr Erklärung bedürfen. Am Schluss noch eine spannende Diskussion über Synkopen im Tango und dann noch etwas komplexere Ganchokombinationen geübt. So muss eine Practica sein.

Donnerstag Tangobar und es tanzte auch ein Paar vor. Ich kam zu früh und das ist nicht nur beim Sex ein Problem. Dann besser gleich enthaltsam oder später kommen.

Heute Galeria und die dürfte sehr voll werden, weil Tangopasional wieder mit ein paar Schülern vorbeikommen, Luis (der ab Sonntag mit Alejandra unterrichtet) in Wien ist und weil die Freitage erfreulicherweise ohnehin voll sind. Auftritt von Andrew und Maria, die ein bisschen Werbung gut gebrauchen können, um ihre Workshops zu füllen. Plane generell jeden Freitag einen Auftritt zu organisieren, und das nicht nur von Tangolehrern. Jedes Paar, das will und sich traut, soll einen Tango tanzen. Entweder das Publikum ist erstaunt (übers Können), beschämt (übers Nicht-Können), beglückt (weil man mind. genauso gut ist), anders beschämt (weil man merkt, dass man selbst nicht so gut ist), oder man sieht es einfach als nette Abwechslung.

Morgen Samstag legt erstmals ein TJ namens „El Samaritano“ in der Bäckerstraße auf, von dem einiges erwartet wird… Come and listen to! Sonntag die Morocha erstmals in der Galeria, bin sehr gespannt, wie die Stimmung sein wird. Hier noch ein paar fotografische Eindrücke aus Basel und ein Video, das die Maestros des Festivals Chacarera tanzend zeigt.

Abrazo tanguero

Euer Don Xello 

Gustavo Naveira y Giselle Anne

Celine Ruiz y Damian Rosenthal



Arrangeur und Pianist des Orquesta Tipica Silencio, Roger Helou

 

Maestros Chacarera tanzend

Chacarera  Video 

 

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