Die Tanzenden (Juni 2012)

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Jetzt ist das erste Jahr um, Du hast regelmäßig diverse Kurse besucht, du informierst Dich via Facebook und/oder Youtube was international und lokal passiert.
Du bist der Meinung, dass wirklich was weitergegangen ist. Und Du beginnst regelmäßig Milongas zu besuchen.
Jetzt kann folgendes passieren.

Du bist eine Frau und
i) in in der glücklichen Position sehr talentiert zu sein und das sehen auch die Männer
ii) jung, hübsch und wirst einfach aufgrund dieser temporären Eigenschaften (v.a. jung) dementsprechend oft aufgefordert
iii) im mittleren bis fortgeschrittenem Alter und außer von Deinen Kurspartnern wirst Du eher wenig aufgefordert.

i) und ii) ist fein und muss hier nicht näher erläutert werden.
Was sind die Optionen für die Position iii)?

Es gibt mehrere Optionen mit dieser Situation umzugehen?

Option 1: du bist eine buddhistische Seins-Natur und nimmst das, was kommt und wenn nicht, dann auch. Dann ist egal, was passiert, Du ruhst in Dir und sei es manchmal stundenlang wartend. Wenn die Situation besser wird, gut, wenn nicht, auch gut, aber Du wirst irgendwann zur Erkenntnis kommen, dass es ev. erfüllendere Momente in Deinem Leben geben könnte und wirst Dir eine neue Form suchen, Deine Freizeit zu verbringen.

Option 2: du bist eine Checkerin und denkst Dir, das kann ja wohl nicht wahr sein und gehst offensiv auf die Männer zu. Die, mangels Mut, oft häufiger, als man denkt, dann nicht auskommen und mit Dir tanzen werden. Oft sehr zum Missfallen oder Amusement der anderen (wartenden) Frauen.
Aber als Checkerin ist Dir das egal, sollen die anderen schauen, wo sie bleiben

Option 3: du sitzt und strahlst nicht die „mir geht es gut, egal was passiert“ Ruhe aus, sondern Du hast diesen „Erlöse mich!“ Blick und Ausstrahlung drauf. Der richtet sich vorwiegend an die begehrteren Tänzer der Milonga, die das natürlich ganz genau registrieren. Einer gewöhnlichen Aufforderung durch „irgendeinen“ kommst du zwar nach, aber so richtig glücklich bist Du nicht. Es müssen und sollen schon die besseren sein.
„Gute Männer“ fallen selten auf diesen Typ herein, Frauen retten tut ihnen nicht gut.

Option 4: du besuchst einfach nur noch die Milongas, die aus einem sehr begrenzten Teilnehmerfeld bestehen und auf denen sich auch alle vorwiegend kennen. Das ist zwar nicht so spannend, aber wenigstens kommst Du zum Tanzen.

Welche ist für die Frauen die beste Option?
Das hängt davon ab. Wenn Du ein Option 1 Typ bist, dann bist Du immer dort richtig, wo Du gerade bist. Option 2 Typen kommen überall durch und sind auch auf hippen Milongas (das sind die Milongas, wo die coolen hingehen!), sowie auf Festivals und Marathons anzutreffen.
Option 3 Typen sind häufig auch auf den hippen Milongas, aber es wäre besser für sie sich die Verhaltensweisen der Option 2 anzueignen, sollte dafür eine charakterliche Prädisposition bestehen und wenn nicht eben die Option 4 wählen.

 

Du bist ein Mann und
i) in in der glücklichen Position sehr talentiert zu sein und das sehen auch die Frauen, die sich gerne von Dir auffordern lassen.
ii) jung, recht ansehnlich, riechst gut und wirst einfach aufgrund dieser Eigenschaften dementsprechend oft keine Absagen bekommen
iii) in irgendeinem Alter jedoch mangels Selbstvertrauen, Talent, Aussehen, Geruch, Männlichkeit generell bekommst Du eher Absagen.

Bleiben wir wieder bei der Position iii), was sind die Optionen?

Option 1: Du kümmerst Dich einfach nur um die Anfängerinnen und/oder die Option 3 Frauen. Das gibt Dir das Gefühl ein toller Mann zu sein. Es geht zwar nichts weiter mangels Herausforderung, aber mit der Zeit kriegst Du schon eine gewisse Routine. Wenn nicht einmal die mit Dir tanzen, hör auf!
Oder spezialisierst Dich ausschließlich auf Frauen, die Dich nicht kennen (Touristinnen!). Fordere erst beim 2. Tango der Tanda auf, das hast Du mit viel Glück zumind. 3 Tangos zu tanzen.

Option 2: Du realisierst, dass dein Anspruch an Dich und v.a. dein Tanzvermögen ganz offenbar nicht mit der normativen Kraft des Faktischen (sprich Realität) auf der Milonga übereinstimmt.
Arbeite an Dir! Hör auf, Kunststücke machen zu wollen, konzentriere Dich auf die Musikalität und die Umarmung. Bitte Frauen um ihre Meinung! Hole Rat von Männern ein, die besser sind.

Option 3: Suche eine Gleichgesinnte! Du wirst zwar nicht mit vielen anderen tanzen, aber wenigstens tanzt Du.

Option 4: Beginne zu unterrichten!

Die Idee einer Milonga
ist es, dass soviele unterschiedliche Paare wie möglich miteinander tanzen. Dafür gibt es Aufforderungsrituale, die Tandastruktur, die Cortinas.
Je fortgeschrittener eine Milonga ist, desto mehr werden diese Rituale eingehalten und desto besser fließt es in der Milonga. Mehr als 2 Tandas hintereinander mit der gleichen Person zu tanzen ist ein No-Go. Bei der Cortina gehen die Tanzenden auseinander, im Idealfall jeder wieder an seinen Platz. Oder zumindest an den Rand der Tanzfläche.
Gute Lehrer unterrichten das, wenn möglich in der ersten Stunde. Ziel muss sein, die Schüler zu regelmäßigen Milongabesuchern zu erziehen und nicht sie monatelang in unnötigen Kursen zu halten. Der Großteil der Unterricht Nehmenden geht nicht auf Milongas, sondern hängt jede Woche nur in Kursen herum, wo ihnen etwas beigebracht wird, was sowieso mangels Praxis NIE gebraucht wird.
Das ist Segelkurs im Holzboot im Schuppen mit künstlichem Wind, Wasser sieht der zu Unterrichtende nie.
Schade, Wasser ist Leben!

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